Mehr als ein Jahrhundert im Dienst der Allgemeinheit: die freiwillige Feuerwehr. "Zug um Zug", unter diesem Titel wird der "Leverkusener Anzeiger" in den kommenden Wochen in einer neuen Serie alle Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr vorstellen.
Immer startbereit sind die Einsatzkräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr, selbst Stiefel und Hose stehen bereit zum Hineinspringen.
Die ältere Dame in Rheindorf war dankbar, hatte doch der Löschzug 16 der Freiwilligen Feuerwehr soeben einen kleinen Brand in ihrem Keller gelöscht. Eigentlich, so sagte sie einem der Männer, hatte sie ja 20 Mark für die Kaffeekasse geben wollen, „aber Sie sind ja Beamte und dürfen nichts nehmen“. Ein echtes Döneken, das Artur Welte zu erzählen weiß. Und eine Geschichte die belegt: Vielen ist nicht bewusst, dass es 250 ehrenamtlich tätige Männer und Frauen, darunter rund 100 Jugendliche, in der Leverkusener Feuerwehr Dienst tun - das sind rund zwei Drittel der Brandbekämpfer. Sie tun das „für lau“, sieht man von der Aufwandsentschädigung von 37,50 Euro pro Jahr ab. Sie schieben Bereitschaftsdienste, fahren Einsätze, bereiten solche vor, warten Geräte und Fahrzeuge und und und.
Artur Welte liegt es am Herzen, dass der Stand des Freiwilligen Feuerwehrmitglieds mehr ins Bewusstsein gerückt wird. Daher erklärte er sich bereit, dem „Leverkusener Anzeiger“ bei der Vorbereitung einer neuen Serie behilflich zu sein. Er erhofft sich aktives Interesse, nicht nur, weil es Probleme gibt, gerade Menschen mittleren Alters zur Mitgliedschaft zu bewegen. Die haben ihre Familien, ihren Job, und wollen Freizeitvergnügen. Artur Welte weiß das. Er selbst ist 50, Leiter der städtischen Personalabteilung und Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Leverkusen. Sozusagen der Klassensprecher, der die Belange der Ehrenamtler gegenüber dem Chef der Feuerwehr, Hermann Greven, vertritt. Das muss so sein, unterstreicht Welte, verheiratet und Vater zweier Söhne - die sind selbstverständlich wie er beide Mitglied der Feuerwehr. In nicht kreisfreien Städten gibt es keine Berufsfeuerwehr, da bestimmen die Freiwilligen selbst, wer, wie beispielsweise in den beiden benachbarten Städten Leichlingen und Burscheid, Stadtbrandmeister wird. In Leverkusen kürt der Stadtrat den Wehrchef. Und damit die Ehrenamtler bei dieser Konstellation mit ihren Anliegen nicht untergehen, haben sie eben diesen Sprecher, den sie selbst wählen. Ehrenamt Feuerwehr, so Welte, das habe auch viel mit Gemeinsinn und Nachbarschaft zu tun. „Eine Freiwillige Feuerwehr kann nur unter einem Kirchturm bestehen, nicht in einem Gewerbegebiet“, meint er. Sprich: Freiwillige Feuerwehr ist immer auch ein Stück Nachbarschaft. Es gilt die Residenzpflicht. Mitmachen kann nur, wer auch am Ort wohnt. „Und kennt man auch den ein oder anderen im Löschzug, ist vielen dieser freiwillige Dienst eben nicht geläufig“, so Welte.
Bericht erstellt: A.Welte, 23.01.2011
Quelle: Leverkusener Anzeiger, Serie "Zug um Zug", THOMAS ESCH, 22.02.07
http://www.ksta.de/html/artikel/1171561459996.shtml
Heute stellen wir den Löschzug Rheindorf vor. Einmal im Jahr schnuppert Rheindorf internationales Flair. Die Feuerwehr veranstaltet den Feuerwehrlauf zu dem sich Feuerwehrmänner aus Deutschland und dem Ausland anmelden.
Es war in den 70er Jahren. Die Ideen der Jugendbewegung waren von den großen Universitätszentren auch auf Städtchen und Dörfer übergeschwappt. Gammellook, Frank Zappa und Unordnungen waren modern. Da hatten es die Feuerwehren schwer. Artur Welte, heute Chef der Leverkusener Freiwilligen Feuerwehr und nach wie vor Mitglied des Rheindorfer Löschzugs, erinnert sich noch sehr gut an diese Zeit, wie er mit langer "Matte" zur Rheindorfer Feuerwehr kam, und wie der damals ohnehin schon "kleine Haufen" immer mehr schmolz. "Zu der Zeit hatte doch keiner Interesse an so was", erzählt er. Uniformen seien seinerzeit genauso wenig interessant gewesen wie Disziplin und Ordnung, die Grundfesten der Feuerwehrarbeit.
Kurzum: Es war schlecht bestellt um die Wehr in Rheindorf, die 1899 gegründet worden war. Ein Beinahe-Todesstoß war dann die Gründung der Berufsfeuerwehr 1976. Welte zufolge habe ein Gutteil der Freiwilligen sein Hobby zum Beruf gemacht. Leverkusens Stadtkasse war voll. Die Berufswehr wurde gefördert, die Freiwilligen ihm zufolge nur wenig. "Wir wurden doch allenfalls zum Aufräumen gerufen", so Artur Welte heute. Und das sei auch nicht gerade motivierend gewesen. Der Löschzug schrumpfte und schrumpfte. "1982 entwickelte sich zu einem der schwersten Jahre innerhalb der Rheindorfer Feuerwehrgeschichte", heißt es denn auch in der Chronik, die zum 100-jährigen Bestehen herausgegeben wurde. Die Rheindorfer Abteilung war überaltert, die Jugend blieb aus. Erst war es nur ein Gerücht, bald darauf bittere Wirklichkeit. Der Feuerwehrstandort Rheindorf sollte aufgegeben, die verbliebenen Helfer den Hitdorfern zugeteilt werden. "Ich weiß noch genau, als Dirk Hennebach zu uns kam", erzählt Welte. "Der hat uns zehn Jahre gegeben, die Truppe auf Vordermann zu bringen." Der damalige Feuerwehrleiter habe erkannt, dass es ohne die Freiwilligen nicht geht. Ein Ruck ging durch die Rheindorfer Löschgruppe. Junge Leute übernahmen das Ruder, machten sich fit - und hatten Erfolg. Und so wie es damals bergab, so ging es nunmehr bergauf.
Heute steht der Rheindorfer Löschzug in überaus guten Schuhen da.
36 Aktive zählt er. Dazu kommen noch einmal 20 junge Leute aus Rheindorf, Bürrig, Hitdorf und Wiesdorf. Denn der Rheindorfer Löschzug ist einer von vieren in Leverkusen, die eine Patenschaft für eine Jugendgruppe übernommen haben. "Davon leben wir doch", sagt Löschzugführer Andreas Petzold. Für die Jugendgruppe ist er praktisch nur als Hausherr zuständig, aber diese Aufgabe nimmt er zusammen mit seinem Stellvertreter Karsten Jeuk sehr ernst. Beim Umbau des Gerätehauses, der in diesem Jahr abgeschlossen werden soll, stand für die Rheindorfer fest, dass auch die Jugendgruppe was davon haben soll. Sie bekam einen eigenen Raum zugeteilt. Noch herrscht dort Unordnung. Aber die jungen Leute haben sich schon mal Sofas und Sessel an Land gezogen. Man will es sich offensichtlich gemütlich machen.
Ansonsten haben die Rheindorfer durch den Umbau einen rund 90 Quadratmeter großen Versammlungs- und Schulungsraum bekommen. Einstmals standen auf dieser Fläche zwei Feuerwehrautos. Nachdem die Löschfahrzeuge so groß wurden, dass sie dort einfach nicht mehr reinpassten, nutzen die Freiwilligen die Garage als Schulungsraum. Das, sagt Petzold, sei eine äußerst kalte Angelegenheit gewesen, denn wegen der Rolltore war der Raum nicht dicht. Heute stehen die beiden Löschfahrzeuge sowie ein Lastwagen und ein Kleinbus in einer Halle gleich nebenan, die sich die Wehr mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft teilt.
Einmal im Jahr schnuppert Rheindorf internationales Flair - Dank der Feuerwehr. Die veranstaltet nämlich den Feuerwehrlauf, ein Zehn-Kilometer-Lauf, zu dem sich inzwischen 500 Feuerwehrmänner aus Deutschland und dem Ausland anmelden. Dann verwandelt sich das Gerätehaus und der Vorplatz in eine feurige Stimmungsmeile, die der Wasser-Löschung nicht bedarf. Für Zugführer Petzold geht es bei diesem Lauf nicht nur um die sportliche Fitness, sondern auch um die "sehr, sehr guten Kontakte". Und insbesondere die Jugend profitiere davon. Finanziell günstige Fahrten seien möglich, weil den jungen Leuten die Gerätehäuser überall offen stehen. "Die Feuerwehr", sagt er, sei eben nicht nur in Leverkusen, sondern in ganz Deutschland eine große Familie.
Brandschutzmaßnahmen an Gebäuden wurden im Laufe der Jahrzehnte verbessert, und das führte laut Petzold dazu, dass es immer weniger zu löschen gibt. Der Löschzugführer sieht das mit zwei lachenden Augen, und doch ist ganz in der Tiefe ein klitzekleines Tränchen zu sehen. Denn schließlich, meint er, sei die Feuerwehr doch auch zum Löschen da.
Dass die Brandbekämpfung allerdings nicht ausschließlich zu ihrem Aufgabengebiet gehört, zeigte sich vor einigen Wochen. Da war ein Paddelboot in der Wupper gekentert. Auch die Rheindorfer Freiwilligen wurden alarmiert und waren an Ort und Stelle. Und dann, fügt Petzold an, gebe es in Rheindorf ein reges Vereinsleben mit jeder Menge Veranstaltungen. Die Feuerwehr ist fast immer dabei, kümmert sich um die Wasser- und Stromversorgung und um den Verkehr. So nimmt es nicht Wunder, dass es die Feuerwehr war, die den Vereinsbaum in der Nähe der Sparkasse initiiert hat.
Bericht: A.Welte, 23.01.2011
Quelle: Leverkusener Anzeiger, Serie "Zug um Zug", ULLA JONEN, 05.03.07
http://www.ksta.de/html/artikel/1172183420105.shtml
Hermann Greven gibt Auskunft über Vorgaben für den Dienst und Aufgaben der Einsatzkräfte.
LEVERKUSENER ANZEIGER: Herr Greven, auf welcher Grundlage leistet die Feuerwehr ihren Dienst?
HERMANN GREVEN: Nach dem Gesetz ist jede Gemeinde verpflichtet, eine Feuerwehr aufzubauen, die sich an die örtlichen Verhältnisse anpasst. Kreisfreie Städte haben eine Berufsfeuerwehr.
Wie wird die Stärke der Mannschaften festgelegt?
GREVEN: Früher wurde sie nach der Bevölkerungszahl bestimmt, heute richtet sich die Stärke nach dem so genannten Brandschutzbedarfsplan, der vom Stadtrat beraten und verabschiedet wird.
Welche Aufgabe hat die Freiwillige Feuerwehr?
GREVEN: Sie ist insbesondere notwendig bei größeren Schadensereignissen, bei Hochwasser oder Waldbränden beispielsweise. Die Freiwillige Feuerwehr unterstützt und ergänzt die Berufsfeuerwehr. Vor allem in den Abendstunden wird sie mit alarmiert, um im Training zu bleiben und auch, um die Einbindung in die gesamte Feuerwehr zu kräftigen und zu stärken.
Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um bei der Feuerwehr Dienst zu leisten?
GREVEN: Wer zur Berufsfeuerwehr möchte, darf nicht älter als 27 Jahre alt und muss EU-Bürger sein. Zudem muss er ein feuerwehrgeeignetes Handwerk beherrschen, beispielsweise Schlosser oder Elektriker sein. Die Ausbildung zum Brandmeister dauert 18 Monate, dann folgen noch Spezialausbildungen. Wer bei der Freiwilligen Feuerwehr dabei sein will, muss gesund und charakterlich geeignet sein, darf also keine Vorstrafen haben. Die Grundausbildung ist wesentlich kürzer als bei der Berufsfeuerwehr, aber es schließen sich immer wieder Lehrgänge an, praktisch das ganze Leben lang. Die Kurse finden unter anderem im Institut der Feuerwehr in Münster statt. Hier werden neben Führungs- und Fachkräften auch Spezialkräfte, beispielsweise für den Strahlenschutz ausgebildet.
Gibt es Probleme bei der Freiwilligen Feuerwehr mit dem Nachwuchs?
GREVEN: Wir haben vier Jugendfeuerwehren. Die Nachwuchssorgen quälen uns schon, aber es ist eher die mittlere als die junge Generation, die uns wegbricht. Die ist oftmals sehr ins Berufsleben eingespannt. Einen Lehrgang am Abend beispielsweise können sie nicht mehr für 18 Uhr ansetzen, da kann kaum einer. Und die Wochenenden sind oft verplant. Auch im Bereich Fitness gibt es Probleme, wir haben festgestellt, dass es oft nicht gut um die Gesundheit bestellt ist. Aufs Ganze gesehen kriegen wir aber unsere Gesamtstärke immer noch ganz gut hin.
Gibt es sonst noch Probleme?
GREVEN: Einige Gerätehäuser haben mit dem Fortschritt nicht Schritt halten können. Größere Einsatzfahrzeuge, wie es sie nun einmal nur noch gibt, passen da nicht hinein. Das wird uns in den nächsten Jahren noch sehr beschäftigen. Mit der Verteilung im Stadtgebiet sind wir aber sehr zufrieden, da bleibt alles, wie es ist und wir werden auch keine neuen Löschzüge bilden.
Wie sehen Sie das Verhältnis von Freiwilliger zur Berufsfeuerwehr?
GREVEN: Das Verhältnis ist gut, wenn auch nicht immer problemfrei. Ich kann mich aber an keinen großen Streit erinnern. Die Freiwillige Feuerwehr ist gut motiviert, sie kommt, wenn wir sie rufen. Sie ist eine echte Bürgerwehr und gelebtes Ehrenamt in allerbester Form.
Das Gespräch führte Thomas Esch.
Bericht: A.Welte, 23.01.2011
Quelle: Leverkusener Anzeiger, Serie "Zug um Zug", 22. Februar2007
http://www.ksta.de/html/artikel/1172125933524.shtml